Laptop und Notizbuch auf Schreibtisch — symbolisch für KI-Compliance im Unternehmen

Der EU AI Act ist da — und er betrifft Ihr Unternehmen. Nicht erst irgendwann, sondern jetzt. Die erste Pflicht (KI-Kompetenz für alle Mitarbeiter) gilt bereits seit Februar 2025. Die nächste große Deadline kommt am 2. August 2026.

Klingt nach Großkonzern-Thema? Ist es nicht. Der AI Act gilt für jedes Unternehmen, das KI einsetzt — auch wenn Sie „nur“ ChatGPT, Microsoft Copilot oder einen Chatbot auf Ihrer Website nutzen.

Hier erfahren Sie, was konkret auf Sie zukommt, welche Pflichten schon gelten und was Sie bis August 2026 erledigt haben sollten.

Was ist der EU AI Act?

Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 ist das weltweit erste umfassende KI-Gesetz. Sie trat im August 2024 in Kraft und wird stufenweise umgesetzt:

DatumWas passiert
Feb. 2025KI-Kompetenzpflicht (Art. 4) + verbotene KI-Praktiken — gilt bereits!
Aug. 2025Pflichten für KI-Modelle (GPT-4, Gemini & Co.) — betrifft vor allem die Anbieter
Aug. 2026Transparenzpflichten, volle Durchsetzung, KI-Aufsichtsbehörde aktiv
Dez. 2027*Hochrisiko-KI-Pflichten (nach Digital-Omnibus-Verschiebung)

* Der „Digital Omnibus“ vom März 2026 verschiebt die Hochrisiko-Fristen. Die Trilogue-Verhandlungen laufen noch.

Die vier Risikostufen — wo stehen Ihre KI-Tools?

Der AI Act teilt KI-Systeme in vier Kategorien ein. Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern der Einsatzzweck. Dasselbe Tool kann je nach Verwendung in unterschiedliche Kategorien fallen:

Minimales Risiko — keine besonderen Pflichten

Begrenztes Risiko — Transparenzpflicht

Hohes Risiko — strenge Auflagen

Unannehmbares Risiko — verboten (seit Feb. 2025)

Die gute Nachricht: Die meisten KI-Anwendungen im Mittelstand fallen in die Kategorie „minimales“ oder „begrenztes Risiko“. Die Pflichten sind überschaubar — wenn Sie sie kennen und umsetzen.

Die 7 Pflichten, die jedes KMU jetzt kennen muss

1. KI-Kompetenz sicherstellen (gilt bereits!)

Artikel 4 verpflichtet Sie, sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter, die KI-Systeme nutzen, über „ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz“ verfügen. Das bedeutet:

Es gibt zwar keine direkten Bußgelder für Verstöße gegen Artikel 4. Aber: Mangelnde KI-Kompetenz kann als Sorgfaltspflichtverletzung gewertet werden — mit Haftungsfolgen bei KI-Fehlern.

2. KI-Inventar erstellen

Erfassen Sie alle KI-Systeme in Ihrem Unternehmen — auch eingebettete KI in SaaS-Lösungen wie Microsoft 365, Salesforce oder Buchhaltungssoftware. Für jedes System festhalten:

3. Transparenz bei Chatbots und Voicebots

Wenn Kunden mit einer KI interagieren, müssen sie das wissen. Ein kurzer Hinweis genügt: „Sie sprechen mit einem KI-Assistenten.“ Das gilt für Website-Chatbots ebenso wie für KI-Telefonassistenten.

4. KI-Verantwortlichen benennen

Jemand auf Geschäftsführungsebene sollte für KI-Compliance verantwortlich sein. In einem KMU ist das oft der Geschäftsführer oder die IT-Leitung selbst.

5. Lieferanten prüfen

Wenn Sie KI-Lösungen von externen Anbietern nutzen: Fordern Sie Compliance-Nachweise ein. Seriöse Anbieter liefern diese proaktiv.

6. Dokumentation aufbauen

Halten Sie fest: Welche KI-Systeme setzen Sie ein? Welche Schulungen wurden durchgeführt? Welche Risikobewertungen liegen vor? Klingt bürokratisch — ein einfaches Dokument reicht für den Anfang.

7. Verbotene Praktiken vermeiden

Das klingt selbstverständlich, aber prüfen Sie: Nutzen Sie irgendwo KI zur Mitarbeiter-Überwachung, Emotionserkennung oder unterschwelligen Beeinflussung? Solche Praktiken sind seit Februar 2025 verboten.

Was passiert bei Verstößen?

Die Bußgelder sind gestaffelt — und für KMU gilt immer der niedrigere Wert (Prozentsatz oder Festbetrag):

VerstoßMaximumBei 10 Mio. € Umsatz
Verbotene KI-Praktiken35 Mio. € oder 7 %700.000 €
Hochrisiko-Pflichten15 Mio. € oder 3 %300.000 €
Falsche Angaben7,5 Mio. € oder 1 %100.000 €

Die volle Durchsetzung beginnt am 2. August 2026 durch die Bundesnetzagentur (BNetzA), die als zentrale KI-Aufsichtsbehörde vorgesehen ist.

DSGVO schon umgesetzt? Dann haben Sie einen Vorsprung

Wer bereits DSGVO-konform arbeitet, hat viel Vorarbeit geleistet. Vieles lässt sich direkt übertragen:

DSGVOAI Act
Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)Grundrechte-Folgenabschätzung (FRIA) — kann auf der DSFA aufbauen
Privacy by DesignCompliance by Design — gleiche Denkweise, breiterer Fokus
Transparenzpflicht (Art. 13-14)KI-Transparenzpflicht — Erweiterung für KI-Interaktionen
RechenschaftspflichtDokumentationspflicht — gleiche Dokumentationskultur

Der Unterschied: Die DSGVO reguliert die verarbeiteten Daten. Der AI Act reguliert das KI-System selbst — Design, Test, Einsatz. Beides ergänzt sich.

Ihre Checkliste: 5 Schritte bis August 2026

Was Sie jetzt tun sollten — Schritt für Schritt:

  1. KI-Inventar erstellen — Listen Sie alle KI-Tools auf, die in Ihrem Unternehmen genutzt werden. Vergessen Sie eingebettete KI in SaaS-Produkten nicht.
  2. Risiko-Einstufung vornehmen — Ordnen Sie jedes System einer Risikokategorie zu. Die meisten Ihrer Tools werden „minimal“ oder „begrenzt“ sein.
  3. KI-Schulungen durchführen — Für alle Mitarbeiter, die KI nutzen. Dokumentieren Sie Inhalt, Teilnehmer und Datum.
  4. Transparenz-Hinweise einbauen — Bei Chatbots und Voicebots: Nutzer informieren, dass KI antwortet.
  5. Dokumentation anlegen — Ein zentrales Dokument mit Inventar, Schulungsnachweis und Risikobewertung.

Tipp: Starten Sie mit dem KI-Inventar. Die meisten Unternehmen sind überrascht, wie viele KI-Systeme sie bereits nutzen — oft ohne es zu wissen.

KMU-Erleichterungen: Was der AI Act Ihnen zugesteht

Es gibt keine pauschale Ausnahme für kleinere Unternehmen. Aber der AI Act sieht Erleichterungen vor:

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